Gut 330 000 Tonnen Altglas sammelt die Schweizer Bevölkerung jährlich und entlastet die Umwelt damit um 197 Mrd. Umweltbelastungspunkte. So viel, wie eine Person verursacht, die 44 744-mal mit dem Langstreckenflugzeug um die Erde fliegt. Eine Ökobilanz im Auftrag von VetroSwiss zeigt auch, welche Verwertungsarten für das gesammelte Altglas am besten abschneiden.

Von Irene Bättig im Auftrag von VetroSwiss

Das Altglas wird nach Farben getrennt oder gemischt gesammelt und auf unterschiedliche Arten verwertet: Gegen 90 Prozent des Schweizer Altglases wird für die Produktion von Neuglas verwendet. Rund 30 Prozent verwertet das Werk von Vetropack in Saint-Prex, der Rest wird in Glashütten im grenznahen Ausland transportiert. Etwa 11 Prozent, vorwiegend farbgemischt gesammelte Scherben, werden in zwei Schweizer Produktionswerken zu Schaumglasschotter verarbeitet, der vor allem im Tiefbau als Ersatzbaustoff dient. Ein verschwindend kleiner Teil des Altglases wird als ganze Flaschen gesammelt, ausgewaschen und wieder befüllt oder zu Sandersatz vermahlen.

 

Kopf-an-Kopf-Rennen

Je nach Sammel- und Verwertungsart erhalten die Gemeinden unterschiedlich viel Geld aus dem Topf der Vorgezogenen Entsorgungsgebühr auf Getränkeverpackungen aus Glas (VEG). Als Grundsatz gilt: Je ökologischer die Verwertung, desto höher ist die Entschädigung. VetroSwiss, die vom Bund für die Abwicklung der VEG beauftragte Organisation, liess deshalb durch die Firma Carbotech eine Ökobilanz zu den verschiedenen Verwertungsarten erstellen. Dabei wurden alle Verwertungsarten mit einem Basisszenario verglichen, bei dem das Altglas über den Hauskehricht entsorgt und neue Glasverpackungen aus Primärrohstoffen hergestellt werden. Die Studie zeigt, dass das Glasrecycling deutliche ökologische Vorteile bringt.

 

Weniger Rohstoffe und Energie

Am besten schneidet die Ganzglassammlung ab, bei der Flaschen gewaschen und wieder in Umlauf gebracht werden. Diese Sammelart ist jedoch eine Nischenverwertung und wird es aufgrund des fehlenden Markts auch in Zukunft bleiben. Die Produktion von neuen Glasverpackungen aus Scherben landet auf dem zweiten Platz. Diese Verwertung belastet die Umwelt rund 40 % weniger als das Basisszenario, obwohl das Glas weiter transportiert wird – die Studie ging von einer durchschnittlichen Distanz bis zur Glashütte von 300 km aus. Das ökologische Plus liegt beim deutlich geringeren Rohstoffbedarf bei der Produktion von Neuglas, das theoretisch aus 100 % Recyclingmaterial hergestellt werden kann. Aufgrund der hohen Ansprüche an die Farbabstimmung liegt der Scherbenanteil aktuell bei durchschnittlich 76 %. Pro 10 % Scherben werden für den Schmelzprozess zudem 2–3 % weniger Energie benötigt. Im Schnitt werden dadurch rund 25 % Energie bei der Produktion eingespart, was die Umwelt nachweislich entlastet.

 

Die Aufbereitung von gesammelten Altglasscherben belastet die Umwelt rund 40 % weniger als die Entsorgung über den Kehricht. Im Bild: Altglassammelstelle in Hombrechtikon (ZH).

Gemischt oder getrennt gesammelt?

Ob das Altglas nach Farben getrennt oder gemischt gesammelt wird, floss nicht direkt in die Ökobilanz ein. Fakt ist jedoch, dass gemischtes Glas nur für die Grünglasproduktion eingesetzt werden kann – und dies nur zu einem geringen Anteil. Aufgrund der hohen Qualitätsanforderungen und den verschiedenen Farbnuancen braucht es auch bei der Produktion von Grünglas weisse, braune und grüne Scherben. Auf das Gesamtsystem betrachtet, führt die gemischte Sammlung gemäss Studie zu tieferen Einsatzquoten von Recyclingglas und somit zu einem geringeren ökologischen Nutzen.

 

Baustoff als sinnvolle Alternative

Bei der Produktion von Schaumglasschotter für die Bauindustrie spielt die Scherbenfarbe keine Rolle. Diese Verwertung belastet die Umwelt rund ein Drittel weniger als Entsorgung über den Kehricht. Zwar fehlen die Scherben wie beim Basisszenario als wertvoller Rohstoff für die Neuglasproduktion und der Produktionsprozess benötigt viel Energie. Der ökologische Nutzen besteht darin, dass konventionelle Baustoffe ersetzt werden und deren Umweltbelastung «eingespart» wird. Den geringsten Umweltnutzen weist die Versandung auf. Diese Art der Verwertung ist jedoch in den letzten zehn Jahren massiv gesunken und heute vernachlässigbar.

 

Ökobilanz unterschiedlicher Altglasverwertungen im Vergleich zum Basisszenario einer Entsorgung über die KVA. Die Umweltbelastung wurde nach der Methode der ökologischen Knappheit mit Umweltbelastungspunkten (UBP 2013) berechnet. Quelle: Carbotech